Glossar
Aufspannung, autochthone Rückenmuskulatur
Die Wirbelsäule besteht aus 24 Wirbeln: 7 Halswirbel, 12 Brustwirbel, 5 Lendenwirbel.
Als Knochen im Bauklötzchensystem aufeinander gestapelt ist die
Wirbelsäule eine hilflose Konstruktion.
Erst die so genannte autochthone
Muskulatur
Musculi Interspinales lumborum, Intertransversarii mediales lumborum,
Intertransversarii laterales lumborum, Levatores costarum breves, Levatores costarum longi, Spinalis thoracis,
Rotatores thoracis breves, Roratores thoracis longi, Spinalis cervicismacht die Wirbelsäule stark,
beweglich, flexibel und aufrecht. Das sind über 200 kleine Muskeln, die schützen
und stützen die Wirbel nach links und rechts, nach oben und unten, und sind
auch noch diagonal verstrebt.
Wie die
Beckenbodenmuskulatur wird auch die
autochthone Muskulatur im normalen Alltag sehr vernachlässigt. Herkömmliches
Fitnesstraining bearbeitet alle großen, von außen sichtbaren und tastbaren
Muskeln und selten die für das gesunde, leistungsfähige Skelett so wichtige
Tiefenmuskulatur.
Wird die Wirbelsäule vollkommen aufgespannt, so hat sie ihre ideale, sanfte Schwingung.
Die Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern haben Raum und können ihre Pufferfunktion erfüllen.
In dieser optimalen Aufspannung sind die autochthonen Muskeln aktiv und bilden ein Muskelfutteral für die
Wirbelsäule, das sie gleichzeitig schützt, stützt und beweglich macht.
Die lebenslange Aufspannung verhindert, dass der Mensch im Alter schrumpft und alle durch
diesen Schrumpfungsprozess ausgelösten Abnützungen und Krankheiten (Bandscheibenschäden, Wirbelsäuleverkrümmungen, Arthrosen, Osteoporose etc.).
Jedes Mal, wenn Sie sich willentlich und bewusst aufrichten, dehnen und aktivieren Sie die autochthone Muskulatur.
In schlampiger Haltung, zusammengesunken, rund, kraftlos ist diese autochthone Muskulatur nicht aktiv. Weil so viele daran leiden, ging man lange davon aus, dass die autochthone Muskulatur willentlich nicht
beeinflussbar sei. CANTIENICA®– Methode beweist das Gegenteil: In der anatomisch gesunden Grundhaltung, dem Basis-Embodiment, ist jeder dieser autochthonen Muskel in Aktion.
>>Methode
>>Übungen
Pelvis, Os Ilium, Ossa Coxae, Os Sacrum, Os Coccygis, Symphysis Pubica
Das knöcherne Becken bildet die Mitte und das Fundament des aufrechten menschlichen Körpers und wird aus drei Knochen gebildet:
zwei Beckenkämme, vorne verbunden durch die
Schambeinfuge, und dem
Kreuzbein.
Das weibliche Becken ist weniger hoch als das männliche, breiter und eher herzförmig, die Beckenknochen
bilden in der optimalen Haltung eine weite V-Form. Das männliche Becken bildet ein schmaleres V.
In der CANTIENICA®– Methode steht die absolute Auf- und Ausrichtung
des Beckens im Zentrum, denn der Beckenstand entscheidet über die Haltung des gesamten Körpers. Wird es vor- oder zurückgeschoben, egal wie wenig,
so zieht diese Verschiebung auch die Wirbelsäule und den Brustkorb mit.
Das gesunde, bewegliche Becken ist Voraussetzung für gesunde Hüftgelenke,
eine flexibel aufgespannte Wirbelsäule und den mühelos „aufgehängten“
Brustkorb. Es unterstützt alle großen Gelenke (Fuss-, Knie-, Hüft-,
Wirbel-, Schultergelenke) in ihrer reibungslosen Funktion.
>>Methode
>>Beckenbodentraining
Regio Perinealis
Das knöcherne
Becken wird unten von einem raffiniert verwobenen Muskelteppich
zusammen gehalten. Diese Beckenbodenschicht entwickelte sich durch
die Bedürfnisse des aufrechten Ganges. Aus der Bauchwand musste ein tragfähiger
Bauchboden werden. Der Zuschnitt der Muskulatur ist jenem der
Vierbeiner zwar noch sehr ähnlich, aber die Funktionen haben sich komplett
verändert.
Die 3 Schichten
äussere Schicht
Musculi Puboperinealis, Bulbospongiosus, Sphincter ani externus
Sie umschliesst schlingenförmig die Vagina, den Ausgang der Harnröhre und
den Anus bei der Frau; Harnöffnung, Samenleiter, Anus beim Mann. Sie ist am Damm Perineum mit der mittleren und der inneren Schicht verbunden
und wird daher immer mit trainiert, wenn die grossflächigen inneren
Schichten aktiviert oder bewusst entspannt werden.
Übertraining der äussersten Schicht kann bei Frauen zu Verkrampfung der Scheide führen, bei Männern und Frauen Hämorrhoiden auslösen oder verstärken.
mittlere Schicht
Musculi Transversus perinei profundus, Ichiocavernosus, Transversus perinei superficialis, Sphincter urethrae externus
Sie erstreckt sich wie ein dreieckiges Trampolin von Hüftgelenk zu Hüftgelenk.
Vorne ist sie mit dem Schambein verbunden, am Damm mit der äussersten und
der innersten Schicht.
Am anatomisch perfekt auf- und ausgerichteten Becken lässt sich diese mittlere
Schicht leicht aufspüren und einsetzen. Sie spielt für die Stabilität des Beckens eine grosse Rolle und sichert lebenslang die Gesundheit der Hüftgelenke, indem
sie den unteren Rahmen des Beckens eng und das Becken in V-Form hält.
innere Schicht
Musculi Puborectalis, Pubococcygeus, Coccygeus,
Iliococcygeus (bilden zusammen den Levator Ani), Obturatorius Internus
Sie ist die flächengrösste und erstreckt sich fächerartig vom Kreuzbein zu den seitlichen Beckenknochenrändern,
den Sitzbeinhöckern, zur Gelenkpfanne der Hüften,
nach vorne zum Schambein . Ein Teil dieser inneren Schicht bildet den Levator Ani, den Anusheber.
Ist der Levator Ani kräftig und trainiert, trägt er wie in einer Schale liegende Organe des Unterleibes,
vorab den Darm. Erschlafft hängt er durch. Am Damm ist diese innerste, nach dem Stand der derzeitigen Forschung wichtigste Beckenbodenschicht
mit der mittleren und der äusseren Schicht verbunden. Der "Stiel" zur Schale liegt unter dem Sphincter.
Die innerste Schicht ist symmetrisch angelegt und kann links und rechts unabhängig voneinander aktiviert und beansprucht werden. Sie reagiert auf jede Bewegung der beiden Beckenhälften und spielt daher eine wichtige Rolle beim beckengerechten Gehen.
>>Methode
>>Übungen
>>Beckenbodentraining
Kreuzbein, Kreuzbeingelenke
Os sacrum, Articulatio Sacra-iliaca
Zwischen dem untersten Lendenwirbel und dem
Steissbein sind fünf Kreuzwirbel
samt Bandscheiben zu einem breiten Knochen verwachsen. Durch seitliche Löcher treten die Nerven aus. Zusammen mit
den Beckenschaufeln bilden die Seitenränder des Kreuzbeines zwei sogenannte
Wackelgelenke, die von kreuz und quer verstrebten Bändersehnen geschützt und
gestützt werden. Diese beiden Gelenke können über die vernetzte Beckenmuskulatur
unabhängig voneinander bewegt werden. Wer diese Beweglichkeit
bewusst fördert und einsetzt, kann das Becken lebenslang beweglich erhalten.
Schambein, Schambeinfuge
Os pubis, Symphysis pubica
Der vordere Rand des knöchernen Beckens, es lässt sich unter dem Schamhaar
gut ertasten. Die Knochen der linken und der rechten Beckenhälfte sind nicht
aus einem Stück, sondern werden von der sogenannten Schambeinfuge
Symphyse
zusammen gehalten. Im CANTIENICA®– Training dient das Schambein als Referenzpunkt
für die Aufrichtung des Beckens, meistens zusammen mit dem
Steissbein.
Sitzbeinhöcker
Tuber Ischiadum, Os ischii
Am unteren Rand bildet das Becken zwei Ringknochen, die Sitzbeine oder Sitzbeinhöcker
Tuber Ischiadum.
Ihre Bewegung hat Auswirkungen auf die inneren Hüftmuskeln
Musculi Piriformis, Gemellus superior, Gemellus inferior, Obturatorius internus, Quadratus femoris.
Werden die Sitzbeine näher zusammengezogen, dehnen sich die Hüftmuskel, die das Becken mit dem Oberschenkel
Trochanter major, Corpus femorisverbinden.
Werden sie auseinander gezogen, verkürzen sie sich. Auch die Hüftbeuger reagieren auf jeder Aktivität der Sitzbeinhöcker.
Die Muskulatur des Beckens, des Beckensbodens und der Hüften ist ausserdem direkt mit den Beinmuskeln vernetzt.
Das CANTIENICA®– Training nutzt die Sitzbeinhöcker
als Referenzpunkte für die innere, grösste Beckenbodenmuskelschicht. Werden
die Sitzbeinhöcker isoliert und bewusst bewegt, so geschieht das durch die Muskulatur des
Beckenbodens.
Steissbein
Os coccygis
Der verknöcherte Schwanz des Menschen. Weil wir als Zweibeiner
nichts mehr zum Wedeln brauchen, wachsen die untersten fünf Wirbel zum
Steissbein zusammen. Über die Beckenbodenmuskulatur und die Aufspannung
der Wirbelsäule kann dieses Steißbein erstens erspürt und zweitens in Form
gehalten werden. Es dient im CANTIENICA®– Training zusammen
mit den Sitzbeinhöckern und dem Schambein als Referenzpunkt für die
perfekte Aufrichtung des Beckens. Der Übergang zum Kreuzbein ist gelenkig.
therapeutische Wirkung
Beispiele der Beschwerden, die verhindert, gelindert oder geheilt werden können:
• Fehlhaltungen aller Art: Hohlkreuz, Flach- und Rundrücken, Beckenschiefstand, X- und O-Beine
• Folgen von Fehlhaltung und Muskelschwäche wie: Rückenschmerzen, Gelenkbeschwerden, Verspannungsschmerzen,HWS-, BWS-, Lws-Syndrom,
Schleudertrauma, Bandscheibenvorfall, Diffuse Kreuzschmerzen, Ischiassyndrom, Hexenschuss, Skoliose
Erschlaffung der Po- und Bauchmuskulatur, Organsenkungen, Leistenbrüche, Prolaps, Lymphstau,
Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur, Arthrose, Deformation der Hüftgelenke ....
• Menstruationsbeschwerden, Blasenschwäche, Inkontinenz (Blase, Darm) bei Frauen und Männern (auch nach Prostata-Operationen)
• Osteoporose, Spinalgie, Arthrosen, Lymphstau, Hämorrhoiden, Prostatavergrößerung, Fussdeformationen, Kopschmerzen, Migräne bis hin zu Depressionen
Die psychologischen, neurobiologischen und anatomischen Wechselwirkungen von Haltung und Wohlbefinden hat Benita Cantieni mit namhaften Wissenschaftlern im Buch "Embodiment" (Verlag Huber, Bern) zusammengetragen.
Kurz zusammengefasst: So, wie die Stimmung die Haltung beeinflusst, so beeinflusst die Haltung eben auch die Stimmung. Die Haltung und die Muskeltätigkeit regen die Hormonproduktion an. Gute Haltung stimuliert Glücksgefühle.
Aufgespannte, gedehnte und aktive Skelettmuskulatur hält die Nerven aktiv und leitfähig.
Durch den bewussten, achtsamen Umgang mit dem eigenen Körper erwächst
Körperbewusstsein, um Fehlhaltungen zu korrigieren und Bewegungsabläufe zu koordinieren, Selbstvertrauen,
Selbstsicherheit und Selbstliebe.
>>Fitness
>>Powerprogramm
>>Beckenbodentraining
Tiger Feeling®
Mit Tiger Feeling® bezeichnet Benita Cantieni das Gefühl der Leichtigkeit, das durch gezielte Integration
des Beckenbodens und durch die konsequente Vernetzung aller skeletthaltenden Tiefenmuskeln zu erreichen ist.
In ihrem Buch „Tiger Feeling® Das sinnliche Beckenboden-Training für sie und ihn“ (Südwest Verlag München) beschreibt sie:
„ Da hatte ich es zum ersten Mal, das Gefühl, nach dem ich mich 43 Jahre gesehnt hatte. Ich nannte es
„Tiger Feeling“. Dieses Gefühl wollte ich nie mehr verlieren. Nie mehr. Ich gab mir genau drei Tage Zeit,
den Gebrauch des Beckenbodens in meinen Alltag zu integrieren ....... Am dritten Tag spürte ich,
wie er mich trug. Ich hatte zwischen Scheitel und Sohle ein Zwischenstockwerk eingezogen.
Der Torso hing nicht mehr schwer in den Beinen, nein, er schwebte, getragen vom Beckenboden,
solide unterlegt. Die Schultern fühlten sich leichter an, der Kopf schwebte plötzlich erhaben,
die Wirbelsäule fühlte sich länger an, leichter, gedehnt. Die Beine bewegten sich wie von selbst,
die Füsse fühlten sich ganz anders an. Und beim Gehen war mir, als würde mein Gesäß von unsichtbaren
Händen angehoben. In diesem Augenblick wurde mir klar: Es ist nicht die Schwerkraft, die uns klein macht.
Wir machen das selbst. Weil wir einfach unseren Körper nicht mehr richtig einzusetzen wissen.“
>>Methode
>>Powerprogramm
Vernetzung
Am Rücken vernetzt sich die innere Beckenbodenschicht mit dem vielfach gespaltenen Muskel
Musculi Multifidus,
dem Darmbein-Rippenmuskel
Musculi Iliocostalis, die beide wiederum direkt mit der
autochthonen Rückenmuskulatur verbunden sind.
Am Bauch, durch die perfekte Ausrichtung des Beckens werden die sogenannten
tiefen Bauchmuskeln, der
Iliopsoasoder Hüftbeuger, und der
Iliakusperfekt
genutzt und eingesetzt. Via
Musculus Pyramidaliswird der Beckenboden
vorne an der Bauchwand mit den äußeren Bauchmuskeln verbunden.
Unter den Gesäßmuskeln besitzt der menschliche Körper ein Set von Powermuskeln,
das über den Beckenboden aktiviert und eingesetzt werden kann:
Obturatus internus, Zwillingsmuskeln, birnenförmiger Muskel,
Quadratus
Femoris, Obturatorius Externus.Diese Hüftmuskeln sind wiederum mit der
Oberschenkelmuskulatur verbunden und ziehen diese bei jedem beckenbodengesteuerten
Schritt „automatisch“ mit.
Diese anatomisch sinnvoll und komplett vernetzte Muskulatur macht das
Becken zum Powerbecken, der Basis für den gesunden, starken Rücken, für
bewegliche, gesunde Hüft- und Kniegelenke, für den formschönen, flachen,
starken Bauch.
>>Methode
>>Übungen
>>Beckenbodentraining
Verschraubung
In der anatomischen Idealhaltung „verschrauben „ sich die Muskeln der Extremitäten.
Das entlastet die Gelenke, sichert den Extremitäten Kraft, Stabilität und geschmeidige Beweglichkeit zugleich.
Arme
Der gesunde Arm ist immer verschraubt: ein grossteil der Muskulatur des Unterarmes
Musculi Pronator teres,
Palmaris, Extensores, Supinator, Anconeus, Brachioradialis, Abducktores rotiert nach innen, des Oberarmes nach aussen
Musculi Triceps brachii, Biceps brachii, Brachialis, Deltoideus, Coracobrachialis.
Die Muskulatur am Brustkorb
Musculi Pectoralis major und minor, Subscapularis,
Anteile des Serratus, Spinatus, Infraspinatus, Tereswird gedehnt.
Die Oberarmkugel schwebt frei
unter dem Schulterdach . Der offene Gelenkspalt ermöglicht dem Arm,
sich in alle Richtungen frei zu bewegen. Von dieser Freiheit profitieren alle Gelenke des Armes
(Ellenbogen, Handgelenk, Fingergelenke).
Beine
Gesund und Beweglich ist es, wenn die Hauptmuskeln des Unterschenkels
Musculi Extensores, Fibularis,
Tibialis nach innen rotieren, des Oberschenkels nach aussen
Musculi Vastus, Tectus, Sartorius, Quadriceps.
Sie dehnen so die gesamte Hüftmuskulatur
Musculi Gluteus Minimus, Piriformis, Gemellus Superior,
Obturator Internus, Gemellus Inferior, Quadratus Femoris und unterstützen die Beweglichkeit der Hüftgelenke und des Beckens.
Der Oberschenkelkopf liegt frei in der Hüftgelenkpfanne und
diese Freiheit bleibt bei jeder Bewegung erhalten. Der offene Gelenkspalt des Hüftgelenkes sichert auch die gesunde Beinachse.
Geht diese Verschraubung verloren, drehen sich beispielsweise alle Muskeln nach aussen, so entstehen O-Beine mit allen Folgeschäden für die Gelenke, rotieren alle Beinmuskeln nach innen, bilden sich X-Beine.
Von dieser natürlichen Verschraubung profitiert das Knie enorm, es ist befreit von jedem Druck und jeder Reibung. Auch die Sprunggelenke, das Fersenbein, die vielen kleinen Fussgelenke werden komplett entlastet.
>>Übungen
© 2006-2008 Malgorzata Zarnowska, CANTIENICA®-Instruktorin. Alle Rechte vorbehalten.